Start Orte und Ortsfamilienbücher Oberamt Karlsruhe Mühlburg (KA)

 

Mühlburg

ist heute ein Stadtteil von Karlsruhe.

Eingemeindung: 01.01.1886, Einwohner ca. 16.000

PLZ 76185

Mühlburg im deutschen Genwiki

Mühlburg in Wikipedia

 

Digitale Aufnahmen der ev. Kirchenbücher Jürgen Wißwässer

 

Bearbeitung der Kirchenbücher 1720 bis 1900 durch  Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

 

Standesbücher online im Generallandesarchiv Karlsruhe, evangelische Gemeinde

1783, 1790 und 1800-1809 1810-1832 1833-1844 1845-1853 1854-1863

1864-1869

 

Mühlburg in "die Kirchenbücher von Baden" von Herrmann Franz

 


 

Geschichte von Mühlburg (c) 2012 Michael Niederle

 

Die möglicherweise erste urkundliche Nennung Mühlburgs findet man in einer Urkunde, die 1248 in "Mulenberc" ausgestellt wurde und die Heirat zwischen Markgraf Hermann VI. von Baden (*um 1225 † 04.10.1250) mit Gertrud von Babenberg (*um 1226; † 24.04.1288) bestätigt. In dieser Urkunde ist nur die Jahreszahl ohne genaues Datum angegeben. (Einleitung in die Geschichte der Marggravschaft und des marggrävlichen altfürstlichen Hauses Baden ; Th. 1. - 1764, Johann Christian Sachs (ausleihbar in der badischen Landesbibliothek [O48A 106 ,1])

 

Die erste datierte urkundliche Erwähnung Mühlburgs finden wir am 01.04.1248 in einer Urkunde der Markgrafen Hermann VI. (* um 1225 † 04.10.1250) und Rudolph I. (* um 1230 † 19.11.1288) von Baden, die endet mit „Datum in Mulenberc  Anno Domini MCCXLVIII. Indictione I. nonis Aprilis“. Nach dem heutigen gregorianischen Kalender wäre das der 08.04.1248. (Historia Zaringo-Badensis (5), Johann Daniel Schöpflin, Seite 213)

 

Eine weitere Urkunde mit genauem Datum stammt vom 21.09.1254. In Ihr gestattet Markgraf Rudolf von Baden dem Kloster Salem von seinen Dienst- und Lehensleuten Güter zu erwerben. (Codex diplomaticus Salemitanus ; 1. 1134 - 1266 (Präsenzbestand in der badischen Landesbibliothek [Ok00645,1]))

 

In der Folgezeit gibt es reihenweise Urkunden, die zeigen, dass Mühlburg im Mittelalter badischer Regierungssitz war, soweit man davon sprechen kann. Am 16.12.1258 befreit Markgraf Rudolf I. Von Baden (* um 1230; † 19.11.1288) das Kloster Maulbronn von Zollabgaben an Pforzheim, das 1227 durch Heirat an Baden gekommen war. Am 01.09.1265 wird das Kloster Herrenalb von sämtlichen Abgaben befreit. (Diese und weitere Urkunden sind im Generallandesarchiv Kartsruhe und im Hauptstaatsarchiv Stuttgart einsehbar.)

 

Nachdem 1250 mit Friedrich II der letzte deutsch-römische Stauferkaiser gestorben war folgte nach der Erbmonarchie die Wahlmonarchie. 1273 wählten die deutschen Kurfürsten Graf Rudolf IV. von Habsburg zum König, der sich fortan König Rudolf I. nannte. Bereits 1274 kam es zu Streitigkeiten zwischen König Rudolf I. und Markgraf Rudolf I. von Baden über sie Höhe von Zollabgaben. In der Folge besetzten Habsburger Truppen Mühlburg, Durlach und Grötzingen. Mühlburg war seitdem nur noch ein Reichslehen.

 

Bereits zu dieser Zeit zeichnete sich in Mühlburg ein Amt ab. Ihm gehörten auch weiter entfernte Orte wie Bahnbrücken, Forchheim und Mörsch an. Daneben die Orte links der Alb, Bulach und Daxlanden.

 

Aus dem 14.Jahrhundert wissen wir bis auf eine Pestepedemie 1348/1349 nichts über Mühlburg. 1424 führte die expansive Zollpolitik des Markgrafen Bernhard I (†1431) zum "Zug nach Mühlburg". Die Städte Basel, Freiburg und Straßburg fürchteten um Ihre Privilegien und zogen, unterstützt von Truppen aus der Pfalz und Schwaben, gegen Mühlburg. Die Belagerung begann am 24.06.1424. Es gelang den Truppen nicht, die Burg Mühlburg einzunehmen, aber die Zerstörungen im Umland waren groß. Die Belagerung endete mit dem Friedenschluss vom 03.07.1424 in dem den Städten des Breisgaus ihre Rechte weitgehend zugesichert wurden.

 

Literatur dazu:

Basler Chroniken / Historische und Antiquarische Gesellschaft / August Bernoulli

 

Seit 1468 ist im Mühlburger Schloss eine Kaplanei nachweisbar, die zum Kirchspiel Knielingen gehörte. Andernorts gab es viele Kirchenneubauten im gotischen Stil.

 

Ab 1479 gab es in Süddeutschland lokale Bauernaufstände, die sich bis 1502 auch in das Gebiet um Mühlburg ausweiteten. Die Lebensverhältnisse der Bauer hatten sich immer weiter verschlechtert. Sie trugen die Hauptlast für das feudale Leben der Adeligen, Beamten und Patrizier. Neben Großzehnt und Kleinzehnt mussten sie weitere Abgaben und Steuern auf nahezu alle Einkünfte zahlen. Je größer die Zahl der Nutznießer wurde, desto mehr stiegen die Abgabe der Bauern.

 

1524 schloss sich Mühlburg dem "brurheinischen Bündniß" an und nahm aktiv am Bauernkrieg teil, der in Baden schon 1525 blutig niedergeschlagen wurde. Am 29.05.1525 versprachen die Dörfer des Amtes Mühlburg sich von den "Brurheinischen" loszusagen und Markgraf Philipp I. (*06.11.1479; †17.09.1533) "Ersatz für seine Rüstungskosten zu leisten". (GLA Bestellsignatur: 36 Nr. 357) Am 04.06.1527 wurden sie zusätzlich zu Strafzahlungen von 300 fl. für Beschädigungen während des Bauernkrieges verpflichtet. (GLA Bestellsignatur: 36 Nr. 2152)

 

Bei der Landesteilung Badens 1535 kam Mühlburg zu Baden-Durlach. Das Amt Mühlburg musste die Orte südlich der Alb an das Amt Ettlingen abgeben.

 

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Das Wasserschloß Mühlburg war zu dieser Zeit noch eine stark befestigte Anlage.

 

Das Generallandesarchiv Karlsruhe verfügt über eine Steinzeichnung, in der das Schloss Mühlburg im Jahre 1550 dargestellt wird.

 

Zum 01. Juni 1556 führte Markgraf Karl II. (*24.07.1529 in Pforzheim †23.03.1577 in Durlach) in der Markgrafschaft Baden-Durlach die Reformation im Sinne Martin Luthers (*10.11.1483 in Eisleben †18.02.1546 Eisleben) ein.

 

Ruhiger wurden die Zeiten jedoch nicht. 1622 wurde das Schloss im dreißigjährigen Krieg durch die Truppen von Johann t’Serclaes Graf von Tilly (*1559 Villars la Ville / Brabant †30.04.1632 in Ingolstadt) niedergebrannt. Als der Krieg 1648 zu Ende war, ließ Markgraf Friedrich V. (* 06.07.1594 in Sulzburg, † 8.09.1659 in Durlach) das Schloss wieder aufbauen. Aber 1648 brach in der Markgrafschaft Baden-Durlach wieder die Pest aus und reduzierte auch die Einwohner Mühlburgs erheblich.

 

Kaum davon erholt, wurde das Schloss Mühlburg 1689 im pfälzischen Erbfolgekrieg durch die Franzosen unter General Ezéchiel du Mas, comte de Mélac (*um 1630 in Sainte-Radegonde †10.05.1704 in Paris), der die bis dahin unbekannte und Menschen verachtende „Taktik“ der „verbrannten Erde“ des franz. Sonnenkönigs Ludwig XIV. umsetzte,  vollständig zerstört. Diesmal wurde es nicht wieder aufgebaut und die Pläne, das Dorf Mühlburg zu einer Stadt zu entwickeln (1670 war Mühlburg durch Markgraf Friedrich VI. Stadtrecht erteilt worden), hatten sich damit auch erledigt. Eine Federzeichnung im Generallandesarchiv zeigt das Mühlburger Schloss vor der Zerstörung 1689.

 

1699 wurden die Stadtprivilegien durch Markgraf Friedrich VII. Magnus von Baden-Durlach (*23.09.1647 in Ueckermünde; †25.06.1709 in Durlach) mit Erfolg erneuert. Mühlburg erlebte einen Zuzug von Juden, Katholiken und Waldensern. 1714 hatte Mühlburg 521 Einwohner von denen nur noch rund 75% evangelisch waren.

 

Mit der Gründung der Stadt Karlsruhe 1715 endete der Aufschwung aber zunächst einmal. Es ist bezeichnend, dass die Trümmer des Mühlburger Schlosses für den Bau des Karlsruher Schlosses verwendet wurden.

 

Wilhelm Ludwig von Baden-Durlach (*14.01. 1732 † 17.12.1788), der Bruder des ersten badischen Großherzogs Karl Friedrich von Baden (*22.11 1728 in Karlsruhe †10.06.1811 in Karlsruhe) kaufte in Mühlburg Ländereien und errichtete 1769 eine Krappfabrik, die bereits 1770 in eine Brauerei umgewandelt wurde. Wilhelm Ludwig war eine „morganatische Ehe“ (nicht standesgemäße Ehe) mit der bürgerlichen Wilhelmine Christine Schortmann (*1740 †1804) eingegangen. Die Kinder der beiden wurden am 27.01.1777 vom (damals noch) Markgrafen Karl Friedrich in den Adelstand erhoben und mit dem Titel „Freiherren von Seldeneck“ ausgestattet. „Von Seldeneck“ war ein 1583 im Mannesstamm ausgestorbenes Adelsgeschlecht. Der Sohn Wilhelm von Seldeneck (*14.01.1766 †10.01.1827) ist somit der Stammvater aller „von Seldeneck“. In der Universitätsbibliothek Heidelberg befindet sich ein Digitalisat der Urkunde mit Wappen.

 

Die Seldeneck´sche Brauerei wurde 1921 von der Grünwinkler Brauerei Sinner gekauft und die Bierproduktion eingestellt. Die 1849 angelegte Familiengruft der „von Seldeneck“ befindet sich auf dem Mühlburger Friedhof.


Literatur dazu:
Hopfen & Malz : die Geschichte des Brauwesens in Karlsruhe / Barbara Guttmann. Mit Beitr. von Thomas Meyer und Erik Neumann. [Hrsg.: Stadt Karlsruhe - Stadtarchiv. Red.: Manfred Koch]. - Karlsruhe : Badenia-Verl., 1998. - 184 S (ausleihbar in Landesbibliothek Karlsruhe [99 A 1214]).

Während der Zeit der badischen Revolution 1848/1848 lebten in Mühlburg 344 Familien und insgesamt 1.749 Einwohner. Davon waren 1.295 evangelisch und 441 katholisch. Es waren 790 Männer und 959 Frauen. (Quelle: Prof. Dr. Irmtraud Goetz von Olenhusen, Lehrstuhl VII, Historisches Seminar der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf )

 

1886 wurde die Stadt Mühlburg schließlich mit 4100 Einwohnern und einer Fläche von 210 Hektar nach Karlsruhe eingemeindet. Mühlburg verlor ein großes Gebiet an die wachsende Karlsruher Weststadt und auch ein Stück an Grünwinkel, bekam dafür aber das gesamte Gebiet des späteren Rheinhafens von den alten Fischerdörfern Daxlanden und Knielingen und gewann somit den Zugang zum Rhein.

 

ergänzende Literatur:

Mühlburg : Streifzüge durch die Ortsgeschichte ; 750 Jahre Mühlburg ; 150 Jahre Freiwillige Feuerwehr Mühlburg ; 100 Jahre Bürgerverein Mühlburg ; 100 Jahre Radsportverein Karlsruhe ; 100 Jahre Bayernverein Weißblau Almrieden / hrsg. vom Stadtarchiv Karlsruhe durch Ernst Otto Bräunche in Verbindung mit dem Bürgerverein Mühlburg .... - Karlsruhe : Info-Verl., 1998. (ausleihbar in der badischen Landesbibliothek [98 A 15496]).