Markgrafschaft Baden-Baden
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Die Markgrafschaft Baden-Baden 1535 - 1771 (c) 2015 Michael Niederle

 

Die Markgrafschaft Baden-Baden bestand aus dem rechtsrheinischen Kerngebiet um die Städte Baden und Rastatt sowie aus weiteren Ländereien am Oberrhein und links des Rheins. Deshalb gehörte sie sowohl dem Schwäbischen als auch dem Oberrheinischen Reichskreis an. Residenz und Hauptort war bis 1705 Baden, danach Rastatt. Amtsstädte, von denen aus jeweils mehrere Dörfer verwaltet wurden, waren Ettlingen, Kuppenheim, Steinbach und Stollhofen. Auch die elsässischen Orte Selz und Beinheim gehörten zu Baden-Baden. Illingen gehörte als Exklave zum Hochstift Speyer, war aber komplett von baden-badischem Gebiet umschlossen. Zu Baden-Baden gehörte bis 1660 auch die formal selbstständige Grafschaft Eberstein, die das mittlere Murgtal mit Hauptort Gernsbach umfasste.

 

An Mosel und Nahe sowie im Hunsrück teilte sich Baden-Baden die Herrschaft Grafschaft Sponheim mit der Kurpfalz. Die hintere Grafschaft Sponheim umfasste Teile der heutigen Landkreise Bernkastel-Wittlich und Birkenfeld mit den Amtsstädten Birkenfeld, Allenbach, Dill, Herrstein, Winterburg, Kastellaun und Trarbach. Die vordere Grafschaft lag im Hunsrück und an der Nahe und reichte bis ins spätere Rheinhessen. Dazu herrschten die Markgrafen von Baden im heutigen Grenzgebiet zwischen Frankreich und Luxemburg über Rodemachern, Useldingen und Hespringen. Im Pfälzerwald besaßen sie die Herrschaft Gräfenstein, die sie sich bis 1557 mit den Leiningern teilten. Nachdem Burg Gräfenstein 1635 zerstört worden war, verlegten die Markgrafen die Verwaltung nach Rodalben.

 

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Als Bernhard III., der Begründer der Bernhardinischen Linie, 1536 starb, war sein Sohn Philibert (*22.01.1536 in Baden-Baden †03.10.1569 in Moncontour) noch im Säuglingsalter und sein Sohn Christoph (*26.02.1537 †02.08.1575 in Rodemachern) noch gar nicht geboren. Bernhards Bruder Ernst von Baden-Pforzheim beanspruchte dessen Erbe für sich und versuchte seinen Anspruch auch vor dem Reichskammergericht in Speyer durchzusetzen. Er unterlag aber gegen Bernhards Witwe Franziska und gegen Philipps Tochter Jakobäa (* 25.06.1507 †16.11.1580 in München), die sich für eine Vormundschaftsregierung eingesetzt hatten. Als Vormund wurden Pfalzgraf Johann II. von Simmern (* 21.03.1492 in Simmern †18.05.1557 in Simmern), Graf Wilhelm IV. von Eberstein (* 03.05.1497 †01.07.1562) und Herzog Wilhelm IV. von Bayern (*13.11.1493 in München † 07.03.1550 in München), der Mann Jakobäas und Schöpfer des deutschen Reinheitsgebotes, bestellt. Amtierender Statthalter in Baden-Baden wurde Heinrich Freiherr von Fleckenstein.

 

Philibert verbrachte einen Großteil seiner Jugend am Hof Herzogs Wilhelm IV. von Bayern in München. Wilhelm IV., späterer Schwiegervater Philiberts, war für seine streng katholische Sichtweise bekannt. Er hatte die Jesuiten nach Bayern geholt. Philibert war Anhänger der Protestanten und ließ sich hierin auch von seinem Schwiegervater nicht beirren. 1555 nahm er am Augsburger Religionsfriedensschluss teil. Als er im Jahr 1565 den Hugenotten in Frankreich mit 1.500 Mann zu Hilfe kommen wollte, mahnte ihn Kaiser Maximilian II. (*31.07.1527 in Wien † 12.10.1576 in Regensburg), dies zu unterlassenPhilbert fügte sich und diente dem Kaiser 1566 in Ungarn gegen Sultan Suleiman I.

 

1569 kämpfte er dann sogar an der Seite von Maximilians Schwiegersohn Karls IX. von Frankreich gegen die Hugenotten. Philibert fiel am 3. Oktober 1569 in der siegreichen Schlacht von Moncontour. Der protestantische Markgraf Philibert von Baden war in Glaubensfragen sehr tolerant gewesen und seinen Untertanen Religionsfreiheit gegebenDennoch heiratete er die katholische Mechthild von Bayern, die er von Kind an kannte. Er hinterließ einen 10 Jahre alten Sohn Philipp, den späteren Markgrafen Philipp II.

 

Der Bruder Philiberts, Christoph II. trat, 1556 mündig geworden, seine Rechte an Baden-Baden an seinen älteren Bruder Philibert gegen ein Jahrgeld von 4.000 Gulden ab und erhielt als Abfindung die Markgrafschaft Baden-Rodemachern. Anschließend begab er sich auf Reisen. Ab 1557 war er in den Niederlanden und an den Feldzügen der spanischen Armee beteiligt, bis er 1561 nach Schweden ging, wo er 1564 eine Schwester des schwedischen Königs Erich XIV. von Schweden heiratete. Nach der Heirat kehrte er nach Rodemachern zurück, baute dort ein Schloss und führte eine verschwenderische Leben; 1565 reiste er nach London, wo ihn Königin Elisabeth ehrenvoll aufnahm. Dort häufte er Schulden über Schulden auf und konnte 1566 das Land nicht eher verlassen, als bis die Königin für ihn gebürgt hatte. 1566 erbte er die Herrschaften Useldingen, Pittingen und Roußzy. Weil er aber seinen Aufwand nicht einschränkte und durch die Religionsunruhen das Land litt, verschuldete er sich immer weiter und ging schließlich nach Schweden. Dort kämpfte er an der Seite seines Schwagers König Johann III. von Schweden gegen Dänemark. Erst nach Jahren kehrte er ins Deutsche Reich zurück, starb 1575 und hinterließ als Erbrinz seinen unmündigen Sohn Eduard Fortunat (* 17.09.1565 in London †18.06.1600 in der Burg Kastellaun/Hunsrück) sowie 5 weitere Söhne, darunter Philipp III., der spätere Markgraf von Baden-Rodemachern.

 

Der zehnjährige Philipp II. war zusammen mit seiner ein Jahr älteren Schwester Jakobe von seinem Onkel Albrecht V. von Bayern (* 29.02.1528 in München † 24.10.1579 in München) erzogen worden. Albrecht V. von Bayern hatte die Vormundschaft über den zukünftigen Markgrafen und ließ diesen streng katholisch erziehen. An der Universität Ingolstadt erhielt Philipp II. eine Erziehung im Geist der Gegenreformation. Sein Vater hatte seinen Untertanen Religionsfreiheit zugesichert. Nach dem Tod des Markgrafen Philibert wurde diese Freiheit durch seine Witwe und seinen Sohn, stark von der katholischen Erziehung geprägtmehr und mehr  eingeschränkt. Bereits zu Zeiten der Vormundschaftsregierung durch seinen Onkel und Vormund Herzog Albrecht V. wurde in den Jahren 1570/71 wieder der katholische Ritus in der Markgrafschaft Baden-Baden eingeführt. Nach dem Antritt seiner Regierungsgeschäfte ordnete der neue Markgraf als erstes an, dass alle Baden-Badener Bürger den Gottesdienst zu besuchen hatten, Zuwiderhandlungen standen unter schwerer Strafe.

 

Philipp II. ließ das "Neue Schloss" abtragen und errichtete 1579 an derselben Stelle ein neues Prächtigeres im Stil der Hochrenaissance. Dabei mehrten sich seine Schulden beträchtlich. Eine Bestandsaufnahme im Jahre 1582 brachte neben insgesamt 218 Musikinstrumenten einen Schuldenberg von 200.000 Gulden zu Tage. Diese Schulden versuchte er durch eine planwirtschaftliche Umordnung des Gewerbewesens und erhöhte Steuern zu mindern.

 

Bereits unter der Vormundschaftregierung war es zu ersten Hexenverbrennungen gekommen. Diese nahmen unter der Regentschaft des jungen Philipp stark zu. Die letzte Hexenverfolgung unter Philipp II. gab es im Jahr 1580. Bei dieser Hexenverbrennung kamen 18 Frauen in den Ämtern Rastatt, Baden-Baden und Kuppenheim ums Leben. Philipp starb im Alter von 29 Jahren und hinterließ keine Nachkommen. So wurde sein Vetter Eduard Fortunat zu seinem Nachfolger. Sein Leichnam liegt in der Stiftskirche in Baden-Baden begraben.

 

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Als Christoph II. 1575 starb, übernahm Eduard Fortunat zunächst nur die Markgrafschaft Baden-Rodemachern. Erst 1588 nach dem Tod seines Cousins Philipp II. im Jahr 1588 übernahm er die stark verschuldete Markgrafschaft Baden-Baden und übergab die Markgrafschaft Baden-Rodenmachern seinem Bruder Philipp III. (* 15.08.1567 in Rodemachern †06.11.1620 auf der Hochburg).  Eduards Lebensstil verschlimmerte die Situation der Markgrafschaft so weit, dass er überlegte, diese an die Fugger zu verpachten oder zu verkaufen.

 

Die hohe Verschuldung und die nicht standesgemäße Beziehung mit der bürgerlichen Maria von Eicken, die er am 13. März 1591 in Brüssel geheiratet hatte, veranlasste im Jahr 1594 Markgraf Ernst Friedrich von Baden-Durlach und dessen Bruder Georg Friedrich, die Markgrafschaft Baden-Baden zu besetzen, Eduard Fortunat musste fliehen. Die Kinder, die aus der Ehe mit Maria von Eicken, die er immer wieder hintergangen hatte, hervorgingen, erkannte Ernst Friedrich nie an.

 

Nach dem Verlust seiner Markgrafschaft versuchte Eduard Fortunat 1594 auf der Yburg sein Vermögen durch Falschmünzerei und durch den Betrieb einer Alchemistenwerkstatt in den Kellergewölben zu vermehren. Er stellte den Alchimisten Francesco Muskatelli und dessen Gehilfen Paul Pestalozzi an. Nachdem Markgraf Ernst Friedrich immer stärkeren Druck auf ihn ausübte, beauftragte er die beiden Italiener, seinen Vetter, den Markgrafen zu vergiften. Der Plan scheiterte und die beiden wurden in Durlach gevierteilt. Eduard Fortunat konnte fliehen und nahm Zuflucht auf der Burg Kastellaun in der ihm verbliebenen Grafschaft Sponheim. Danach trat er in den Niederlanden und in Polen in den Kriegsdienst gegen die Schweden ein.

 

Abrupt war der Tod. Eduard Fortunats. Erst 35 Jahre alt stürzte er am 18.06.1600, vermutlich als Folge eines zu hohen Alkoholgenusses, von einer Treppe der Burg Kastellaun zu Tode. Er fand zusammen mit seiner Ehefrau und der einzigen Tochter dieser Ehe, Anna Maria Lukretia, im Kloster Engelport nahe der Mosel seine letzte Ruhe.

 

Hermann Fortunat (* 23.01.1595 in Rastatt; † 04.011665 in Kastellaun), ein Sohn von Markgraf Eduard Fortunat von Baden und der Maria von Eicken († 21.04.1636) folgte auf seinen kinderlos verstorbenen Onkel Philipp III. als Markgraf von Baden-Rodemachern, während sein Bruder Wilhelm die Markgrafschaft Baden-Baden übernahm. Im Dreißigjährigen Krieg kämpfte er zunächst in spanischen, später in kaiserlichen Diensten. 1633 war er am Gefecht bei Breisach beteiligt, dem sein Kommandant Ernesto Montecuccoli zum Opfer fiel. Er starb 1665 in Kastellaun. Sein Grabmal befindet sich in der Sankt-Nikolaus-Kirche von Rodemachern. Beim Neubau der Pfarrkirche (1779 - 1783) wurde das Grabmal aus Kalkstein unter den Heilig-Kreuz-Altar verlegt.

 

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Wilhelm I. von Baden (* 30.07.1593 in Baden-Baden †22.05.1677 in Baden-Baden) regierte von 1621 bis 1677 die Markgrafschaft Baden-Baden. Er war der älteste Sohn von Markgraf Eduard Fortunat und Maria von Eicken. Er war Geheimrat, Generalfeldmarschall und kaiserlicher Kammerrichter zu Speyer. Zudem war er war Träger des "Ordens vom Goldenen Vlies". Wilhelm war am Hof seines Vormund Erzherzog Albrecht VII. von Österreich (* 13.11.1559 in Wien † 15.07.1621 in Brüssel) in Brüssel und in Köln erzogen worden. Er selbst war der Erzieher seines Enkels und späteren Nachfolgers Ludwig Wilhelm.

 

Die Regierung über seine Ländereien konnte Wilhelm von Baden erst 1622, nach dem Sieg Tillys (* Feb. 1559 in Villers-la-Ville im Herzogtum Brabant † 30.04.1632 in Ingolstadt) über Georg Friedrich von Baden-Durlach bei Wimpfen, antreten. Georg Friedrich und sein Bruder Ernst Friedrich hatten 1594 die Markgrafschaft Baden-Baden besetzt und die Gleichwertigkeit der beiden Markgrafschaften bestritten. Die Einwohner der Markgrafschaft Baden-Baden hatten sie zum protestantischen Glauben konvertieren lassen. Das beruhte auf den Vereinbarungen des Teilungsvertrags, nachdem beide Linien der Markgrafschaft eine Einheit darstellten und gegenseitig haftbar waren. Eduard Fortunat hatte jedoch versucht, seine Markgrafschaft an die Fugger zu verkaufen, worauf die Markgrafschaft durch die Durlacher Linie besetzt und die Kinder der nicht standesgemäßen Ehe von Eduard Fortunat mit Maria von Eicken nicht anerkannt wurden.

 

Unter der Regentschaft Wilhelms kam esinmitten des Dreißigjährigen Krieges, zu den schlimmsten Hexenverfolgungen in Baden. Zwischen 1626 und 1631 wurden 244 Personen, der größte Teil Frauen, aus den Ämtern Kuppenheim, Rastatt, Baden-Baden, Steinbach und Bühl der Hexerei angeklagt. 231 von ihnen wurden verurteilt und hingerichtet.

 

Im Jahr 1631 verlor Wilhelm seine Regentschaft an den schwedischen General Gustaf Graf Horn (* 22.10.1592 in Örbyhus bei Uppsala † 10.05.1657 in Skara) und erhielt sie erst durch den Prager Frieden am 30.05.1635 und den Westfälischen Frieden am 24.10.1648 in Münster zurück. Erster Sohn aus der Ehe mit Prinzessin Katharina Ursula von Hohenzollern-Hechingen († 02.061640) war Erbprinz Ferdinand Maximilian von Baden (*23.09.1625 in Baden-Baden †04.11.1669 in Heidelberg), Vater des später als "Türkenlouis" bekanntgewordenen Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden.

 

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Ludwig Wilhelm auch "der Türkenlouis" genannt (*08.04.1655 in Paris † 04.01.1707 in Rastatt) wurde sieben Jahre nach Ende des Dreißigjährigen Krieges im "Hôtel de Soissons" in Paris geboren. Eine leichtfertige und beleidigende Bemerkung seines Vaters, Erbprinz Ferdinand Maximilian, gegenüber seiner Gemahlin führte schon kurz nach der Geburt Ludwig Wilhelms zum Bruch zwischen den Eltern. Das hatte zur Folge, dass der Vater alleine mit dem gerade ein halbes Jahr alten Sohn Versailles verließ und zurück nach Baden zog. An die Stelle der Mutter trat die zweite Frau seines Großvaters, die Gräfin Maria Magdalena von Öttingen.(* 1619 † 31.08.1688 in Baden-Baden).

 

Auch seinen Vater hatte Ludwig Wilhelm früh, im Jahre 1669 nach einem Jagdunfall bei Heidelberg verloren. Wenig später, im Herbst 1670, schickte ihn sein Großvater in Begleitung seines Hofmeisters Cosimo Marzi Medici und des Präzeptors Vloßdorf auf Kavaliersreise. Diese mit fünfzehneinhalb Jahren sehr früh angetretene Reise bildete den Abschluss der Erziehung und spiegelte die Sorge des Markgrafen um einen Nachfolger wider. Die Reise führte Ludwig Wilhelm zunächst in das Kloster de la Visitation in Besançon, wo seine Tante Katharina Franziska Henriette von Baden Nonne war. In Besançon hörte er juristische Vorlesungen und ließ sich in militärischen Dingen unterrichten. Die Reise ging weiter über Genf, Mailand, Florenz nach Rom, wo er eine Audienz bei Papst Klemens X. erhielt, der gerade mit dem Vizekönig von Neapel und einem französischen Gesandten speiste. Seinen Rombesuch schloss Ludwig Wilhelm mit einem Besuch bei den Medici ab. Die Rückreise führte ihn über Venedig und Innsbruck zurück nach Baden-Baden, nun neunzehn Jahre alt.

 

In diesem Alter begann Ludwig Wilhelm seine militärische Laufbahn mit dem Eintritt in die kaiserliche Armee. Sein Lehrmeister war der berühmte Raimund von Montecuccoli (*21.02.1609 auf Schloss Montecuccolo in Pavullo nel Frignano bei Modena † 16.10.1680 in Linz). Seit 1672 tobte bereits der Französisch-Holländische Krieg, der Versuch des französischen "Sonnenkönig" Ludwigs XIV. (* 05.09.1638 in Saint-Germain-en-Laye †01.09.1715 in Versailles), die Vorherrschaft in Europa zu erringen. Ludwig Wilhelm sollte nun Zeit seines Lebens in die Wirren des Krieges verwickelt sein. Wegen seines hervorragenden Verhaltens bei der Einnahme der Festung Philippsburg verlieh ihm Kaiser Leopold I. (*09.06.1640 in Wien † 05.05.1705 in Wien) 1676 ein Infanterieregiment. Als 1677 sein Großvater starb, wurde er regierender Markgraf von Baden-Baden, doch kam er wenig zum Regieren, da er stets im Dienste des Kaisers im Krieg war.

 

Nach dem Frieden von Nimwegen ernannte der Kaiser Ludwig Wilhelm zum Obristfeldwachtmeister zu Pferd und zu Fuß, was dem Rang eines Majors entsprach. Seinen Spitznamen Türkenlouis erwarb er sich als Reichsfeldmarschall durch seine Erfolge im Kampf gegen die Türken im "Großen Türkenkrieg" 1683 - 1699. Zuhause kämpfte er am Rhein seit 1693 gegen die Franzosen. Die von ihm in den Türkenkriegen erbeuteten Schätze sind heute im Besitz des badischen Landesmuseums und befinden sich im Karlsruher Schloss.

 

Ludwig Wilhelm machte als Generalwachtmeister bei der Befreiung Wiens 1683 auf sich aufmerksam und wurde am 23.11.1683 zum General der Kavallerie befördert. Bereits am 12. Dezember 1686, im Alter von erst 31 Jahren, war er Feldmarschall und wurde am 06.09.1689 zum Oberbefehlshaber der osmanischen Front. In über 20 Schlachten stellte er sein strategisches Können unter Beweis und drängte die Türken zurück. Gleichzeitig wurden seine eigenen Besitzungen in Baden von den Franzosen im Pfälzischen Erbfolgekrieg zerstört, 1689 auch sein Stammsitz in Baden-Baden.
 

Wegen seiner großen Verdienste und der in Abwesenheit ebenso großen Zerstörungen seiner Besitzungen vermittelte Kaiser Leopold I. ihm eine äußerst lukrative Ehe mit einer der Töchter des verstorbenen Herzogs Julius Franz von Lauenburg (* 16.09.1641 in Prag †30.09.1689 in Reichstadt). Anders als geplant, verliebte Ludwig Wilhelm sich in die jüngere der beiden Schwestern, die eigentlich für seinen Cousin Prinz Eugen von Savoyen (* 18.10.1663 in Paris † 21.04.1736 in Wien) vorgesehen war. Die Zuneigung beruhte auf Gegenseitigkeit und so war man sich schnell einig, was der älteren der beiden Schwestern sehr missfiel. Tief gekränkt lehnte sie den Prinzen Eugen als Partner ab.

 

Kurz nach seiner Heirat mit Sibylla Augusta (* 21.01.1675 in Ratzeburg † 10.07.1733 in Ettlingen) musste Ludwig Wilhelm wieder in den Krieg gegen die Türken ziehen. In der Schlacht bei Slankamen konnte er 1691 seinen größten Triumph erzielen. Kaiser Leopold I. ernannte ihn darauf hin zum Generalleutnant aller kaiserlichen Truppen. Dieser Titel war im 17. Jahrhundert nur fünfmal verliehen worden. Später wurde Ludwig Wilhelm als Anerkennung seiner Leistungen der "Orden vom Goldenen Vlies" verliehen.

 

Dier Ereignisse im Pfälzischen Erbfolgekrieg zwangen den Kaiser Ludwig Wilhelm an die heimische Front am Rhein zurückrufen. Sein Vetter, Prinz Eugen trat seine Nachfolge im Krieg gegen die Osmanen an. Prinz Eugen war nicht weniger erfolgreich und siegte am 11.09.1697 in der Schlacht bei Zenta über Sultan Mustafa II. Damit erreichte er im Frieden von Karlowitz den erwünschten Erfolg. Ludwig Wilhelm kämpfte derweil am Rhein gegen die Franzosen, die 1697 im Frieden von Rijswijk ihre rechtsrheinischen Gebietsgewinne wieder zurückgeben mussten.

 

Nachdem sein Schloss in Baden-Baden zerstört worden war, verlegte Ludwig Wilhelm seine Residenz von Baden-Baden nach Rastatt. Dort erbaute er 1697 - 1707 das Schloss Rastatt nach dem Vorbild von Versailles. Rastatt gilt als erste in Deutschland erstellte Residenz nach französischem Vorbild. Architekt war der italienische Baumeister Domenico Egidio Rossi (* 01.09.1659 in Fano † 19.02.1715 in Fano).

 

Im Anschluss an die Erfolge kam es zum Zerwürfnis mit dem Kaiser, weil dieser Ludwig Wilhelm die Kurwürde nicht zugestehen wollte. Später einigten sie sich jedoch wieder und der Markgraf kämpfte erneut für den Kaiser. So kam es, dass Ludwig Wilhelm bei der Schlacht am Schellenberg gegen die Franzosen schwer verwundet wurde und mit 51 Jahren in seinem noch nicht fertig gestellten Schloss in Rastatt seinen Verletzungen erlag. Der Türkenlouis war in den 57 Schlachten, Gefechten und Belagerungen seines Lebens niemals besiegt worden.

 

Das Grabmal Ludwig Wilhelms befindet sich in der Stiftskirche in Baden-Baden, der Grablege der markgräflichen Familie. Dort ist sein Epitaph in Form eines Barockaltars dargestellt, umgeben von mehreren Figuren, die Gerechtigkeit, Tapferkeit und Weisheit symbolisieren sollen. Sein Herz, wie auch seine inneren Organe, wurden im Kloster Lichtenthal, der früheren Grablege der Markgrafen, beigesetzt.

 

Aus der Ehe mit Sybilla Augusta entstammen zwei Nachfolger: Ludwig Georg Simpert (*07.06.1702 in Ettlingen † 22.10.1761 in Rastatt) und August Georg Simpert (*14.01.1706 in Rastatt † 21.101771 in Rastatt), der der letzte Markgraf der Markgrafschaft Baden-Baden werden sollte.

 

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Ludwig Georg Simpert war zwar von 1707 - 1761 Markgraf der Markgrafschaft Baden-Baden, stand aber bis 1727 unter der Vormundschaft seiner Mutter Sybilla August. Er war am 08.06.1702 unter freiem Himmel vor der von den Franzosen im pfälzischen Erbfolgekrieg niedergebrannten Martinskirche in Ettlingen getauft worden. Seiner Mutter bereitete er viele Sorgen, denn er schien geistig zurück geblieben und fing erst mit 6 Jahren, nach einer Wallfahrt, an zu sprechen. Die Markgräfin ließ deshalb in Schlackenwerth aus Dankbarkeit eine Kapelle nach dem Vorbild von Maria Einsiedeln erstellen und nannte ihren Sohn auch das Einsiedlerkind.

 

Am 22.10.1727 übernahm er, im Alter von 25 Jahren, die Regentschaft von seiner Mutter, die nach dem Tode des "Türkenlouis" die Markgrafschaft Baden-Baden verwaltet hatte. Franziska Sibylla Augusta war in Geldgeschäften sehr geschickt und schaffte es nicht nur, die Schulden der Markgrafschaft zu tilgen, sondern übergab Ludwig Georg bei seinem Amtsantritt sogar ein bedeutendes Vermögen. Franziska Sibylla Augusta zog sich nach Machtübergabe auf ihren Witwensitz Schloss Ettlingen zurück und widmete sich dort der Ausgestaltung des Schlosses und der Kapelle. 

 

Ludwig Georg Simpert hatte keine große militärische Laufbahn wie sie sein Vater, vielmehr galt seine Leidenschaft der Jagd, was ihm den Beinamen "Jägerlouis" einbrachte. Von 1707 bis 1731 war er Inhaber des 4. Kreis-Infanterie-Regiment des Schwäbischen Reichskreises, doch jagte er während des polnischen Thronfolgekrieges lieber auf seinen Besitzungen in Böhmen. Erst 1735 kehrte er, nach dem 1735 in Wien geschlossenen Präliminarfrieden zum Wiener Vertrag, zurück. Er war streng katholisch und stiftete 1736 eine Klosterschule der Piaristen in Rastatt. Diese Klosterschule "Patres scholarum piarum" (Väter der frommen Schulen) war ein 1597 von José Calasanz (* um 1556 in Peralta de Calasanz , Spanien † 25.08.1648 in Rom) gestifteter Orden, der erst 1721 vom Papst bestätigt worden war und sich die Aufgabe eines unentgeltlichen Unterrichts gab.

 

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Nach seinem Tod 1761 folgte ihm sein Bruder August Georg Simpert als Regent der Markgrafschaft Baden-Baden. Ludwig Georg Simpert wurde in der Stiftskirche  Baden-Baden, der Grablege der markgräflichen Familie, beigesetzt.

 

August Georg Simpert übernahm am 22.10.1761 im Alter von 55 Jahren die Herrschaft von seinem verstorbenen Bruder. Es war der Wunsch seiner Mutter, Prinzessin Franziska Sibylla Augusta von Sachsen-Lauenburg, dass er Priester werden solle. Deshalb legte er im Alter von 20 Jahren auch das Priestergelübde ab und wurde 1726 er Domherr zu Köln, 1728 dann Domdechant zu Augsburg. Doch er fühlte sich in dem geistlichen Amt nicht wohl und so bat er den Papst, ihn von seinem Gelübde zu entbinden. Das geschah dann auch im Jahre 1735. Am 07.12.1735 heiratete er Maria Viktoria Pauline von Arenberg (*26.10.1714 in Brüssel † 13.04.1793 in Straßburg). Doch diese Die Ehe blieb ohne erwachsene Kinder. August Georg Simpert hat währen seiner zehnjährigen Regierungszeit eine Schulordnung, eine Brandversicherung und eine Witwenkasse eingeführt.

 

Nachdem klar geworden war, dass die Linie Baden-Baden keinen männlichen Nachkommen haben und nach seinem Tod die Linie Baden-Baden an die Linie Baden-Durlach fallen würde, war seine Regierung stark von Erbverhandlungen mit der Durlacher Linie geprägt. Die Baden-Durlacher waren protestantisch, die Baden-Badener waren katholisch. So war es wichtig, die Religionsfreiheit der Untertanen sicher zu stellen. Markgraf August Georg Simpert verwies immer wieder auf die lange katholische Tradition der Markgrafschaft Baden-Baden und betrieb gleichzeitig die Seligsprechung des Markgrafen Bernhard II. von Baden.

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Zum Andenken an seinen Vorfahren und an die Seligsprechung desselben im Jahr 1769 ließ August Georg Simpert den "Bernhardusbrunnen" auf dem Rastatter Marktplatz errichten. Der Brunnen zeigt einen jungen Fahnenschwinger in heroischerer Gestalt und dazu ein Reliefmedaillon des Seligen Bernhard.

 

Schließlich kam 1765 der Erbvertrag mit der Linie Baden-Durlach zustande.

 

 

 

 

 

Der Rastatter Bernhardusbrunnen, Martin Dürrschnabel am 28.05.2013